Osteoporose erkennen

Osteoporose erkennen

Um eine Osteoporose zu erkennen, ist ein Mosaikmuster von Gesprächen, Untersuchungen und Funktionstests notwendig. Erst danach kann der Arzt eine Osteoporose und das damit verbundene Knochenbruchrisiko sicher diagnostizieren und die notwendigen präventiven Maßnahmen einleiten oder die Therapie festlegen.

Krankheitsvorgeschichte

In einem Arzt-Patienten-Gespräch wird festgestellt, ob Risikomerkmale bestehen und der Patient zu dem Personenkreis zählt, der besonders häufig von Osteoporose und einem Knochenbruchrisiko betroffen ist. Gefragt wird auch nach Krankheiten und Medikamenten, die einen Einfluss auf das Skelett oder auf das Sturzrisiko haben.

Körperliche Untersuchung

Erfasst werden aktuelle Beschwerden wie Rückenschmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen und der Allgemeinzustand. Beurteilt werden mögliche Wirbelsäulenverformungen (Rundrücken – oft verbunden mit Atemnot) und Schmerzzustände (lokaler Druck- oder Klopfschmerz über einzelnen Wirbelkörpern). Aus der Körpergröße und dem Körpergewicht wird der Body Mass Index berechnet. Und zur Beurteilung der Muskelkraft und der Gleichgewichtsfähigkeit geben Funktionstests Auskunft:

„Timed up and go“

Gemessen wird die Zeit, die benötigt wird, um von einem Stuhl aufzustehen, 3m zu gehen, sich umzudrehen, zurück zu gehen und sich wieder hinzusetzen. Bei einem Wert unter 10 Sekunden ist keine Mobilitätsstörung, bei einem Wert über 30 Sekunden ist eine Mobilitätsstörung und Sturzgefährdung anzunehmen.

„Chair Rising“

Gemessen wird die Zeit, die benötigt wird, um 5x nacheinander von einem Stuhl ohne Unterstützung der Arme aufzustehen. Bei einem Wert über 10 Sekunden ist eine kraftbedingte Gangunsicherheit anzunehmen.

„Tandemstand“

Beide Füße stehen unmittelbar hintereinander auf einer gedachten Linie. Gemessen wird die Zeit, die ein Patient frei (ohne sich festzuhalten, ohne Ausweichschritt) und mit offenen Augen in dieser Position balancieren kann. Bei einem Wert unter 10 Sekunden ist eine Gleichgewichtsstörung und Sturzgefährdung anzunehmen.

Knochendichtemessung

Bei einer Osteoporose ist die Knochendichte erniedrigt. Zur Messung der Knochendichte wird die als Standardmethode geltende DXA-Technik empfohlen. Die Knochendichte wird an der Lendenwirbelsäule (Mittelwert aus den Wirbelkörpern  L1 – L4) und am hüftnahen Oberschenkelknochen (Gesamtregion und Schenkelhals) gemessen. Der niedrigste gemessene Wert ist für den Befund maßgebend und gibt einen Hinweis auf die Knochenbruchgefahr. Das Ergebnis wird mit dem so genannten T-Wert beschrieben. Der T-Wert beschreibt die (standardisierte) Abweichung vom Mittelwert einer gesunden 30-jährigen Frau. Nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Osteoporose dann vor, wenn der Knochenmineralgehalt um mehr als –2,5 Standardabweichungen vom Mittelwert einer 30-jährigen Frau abweicht (T-Wert unter  -2,5). Grob kann man sagen, dass das Bruchrisiko bei einem T-Wert von -2,5 fünfmal so hoch ist wie bei der gesunden 30jährigen Frau.
Die Knochenbruchgefahr (das Risiko für eine Wirbelkörper- und Hüftfraktur innerhalb der folgenden 10 Jahre) ist zusätzlich abhängig vom Alter, dem Geschlecht, vorhandenen Risikofaktoren und bereits erlittenen osteoporosetypischen Knochenbrüchen, vor allem Wirbelkörperfrakturen.
Wenn noch kein Knochenbruch vorliegt, müssen die Kosten der Knochendichtemessung leider vom Patient selbst getragen werden. Die Kosten für eine DXA-Messung liegen in der Regel zwischen 30 und 50 Euro. Erst nach einem Knochenbruch, der sich ohne adäquates Trauma, also aus geringfügigem Anlass ereignete, gehört die Knochendichtemessung zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversorgung, wenn ein Verdacht auf Osteoporose besteht.

Achtung!

Andere Methoden für eine Knochendichtemessung wie die quantitative Computertomographie können ebenfalls Aussagen zum Knochenbruchrisiko machen. Das Ergebnis dieser Messungen ist mit denen der DXA-Methode nicht vergleichbar!
Auch das quantitative Ultraschallverfahren gibt Aussagen zur Knochenbruchgefährdung, ist aber im eigentlichen Sinne keine Knochendichtemessung. Auch hier sind die angegebenen T-Werte nicht mit der DXA-Methode vergleichbar.

Basislaboruntersuchungen

Verschiedene Blutuntersuchungen klären, ob andere Erkrankungen vorliegen, welche die Entwicklung einer Osteoporose begünstigen. Sie sollten dann durchgeführt werden, wenn

  • ein Knochenbruch nach Bagatellunfall die Veranlassung für die Basisdiagnostik war,
  • der Hinweis auf eine sekundäre Osteoporose besteht,
  • der T-Wert in der DXA-Messung kleiner als - 2,0 ist.

Überprüft werden zunächst folgende Laborwerte:

Blutsenkung erhöht Hinweis auf eine entzündliche Erkrankung
Blutbild Blutarmut, krankhafte Anzahl der weißen Blutkörperchen Hinweis auf eine Erkrankung des Knochenmarkes
Calcium im Blut erniedrigt Verdacht auf Vitamin D - Mangel
Calcium im Blut,
Phosphat im Blut
erhöht
erniedrigt
Verdacht auf Überfunktion der Nebenschilddrüse
Calcium im Blut,
Phosphat im Blut
erhöht
normal oder erhöht
Verdacht auf Tumor im Knochen
Kreatinin im Blut erhöht Hinweis auf eine Funktionstörung der Nieren
TSH im Blut erniedrigt unter 0,3mlU/l schwere Schilddrüsenüberfunktion
Elektrophorese / Immunelektrophorese Erhöhung von Immunglobulinen Verdacht auf Plasmozytom (Knochenmarkserkrankung)

Bei Auffälligkeiten in den Laborbefunden sollte ein Spezialist in die Diagnostik eingebunden werden.

Röntgen der Wirbelsäule

Ziel der Röntgenuntersuchung von Brust- und Lendenwirbelsäule ist neben dem Nachweis von osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen auch die Differentialdiagnose von Rückenschmerzen.

Geröntgt wird vor allem, wenn
  • die Körpergröße um mehrere Zentimeter abgenommen hat,
  • akute lokale, über Tage anhaltende oder chronische, bisher noch nicht abgeklärte Rückenschmerzen bestehen,
  • bei mehr als einem klinisch wichtigen Risikofaktor für Wirbelkörperbrüche.