Behandlungsmöglichkeiten
Das Ziel der Behandlung einer Osteoporose ist die Vermeidung von Knochenbrüchen und das Wiedererlangen von Lebensqualität. Das Erreichen dieses Zieles erfordert eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Arzt und Patient, eine korrekte Diagnostik und individuelle Behandlung durch den Arzt, sowie die Eigenverantwortung und Therapietreue der Patienten. Die Osteoporosetherapie besteht aus mehreren Bausteinen:
- Bewegungstherapie
- Basistherapie mit Calcium und Vitamin D
- Spezifische medikamentöse Therapie
- Schmerztherapie
- Rehabilitation
Bewegungstherapie
Regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern, wird an erster Stelle einer generellen Osteoporose- und Frakturprophylaxe empfohlen. Darunter sind allgemeine Maßnahmen zu verstehen, durch deren Umsetzung eine Verbesserung der Knochenstabilität und / oder eine Verringerung sturzbedingter peripherer Frakturen erreichbar oder wahrscheinlich sind.
Knochenfestigkeit durch Verformung
Das Erreichen einer optimalen Skelettentwicklung erfolgt durch ein biologisches Regulationssystem, das bereits 1892 durch Wolff mit dem Gesetz der Transformation der Knochen beschrieben wurde. Es besagt, dass sich die Knochenstruktur entsprechend der Kraftlinien der auf den Knochen einwirkenden Muskulatur ausrichtet. Diese Erkenntnis wurde 1964 von Frost mit der Mechanostattheorie erweitert und stellt dar, dass der wesentliche Stimulus für Knochenanbau und Knochenstabilität die mechanische Kraft ist, die durch Muskelkontraktion und Schwerkraft auf den Knochen übertragen wird. Unter dem Einfluss der wirkenden Kräfte kommt es zur Verformung am Knochen. Spezielle Zellen im Knochen, die Osteozyten, erfassen die durch äußere Kräfte erzeugten Verformungen und steuern die Aktivität der an- und abbauenden Knochenzellen. Hierdurch erfolgt die Anpassung der Knochenfestigkeit an die äußeren Anforderungen im Alltag, im Beruf, in der Freizeit, im Sport. Die höchsten Kräfte entstehen durch dynamische Muskelkontraktionen. Sie können das Zehnfache des Körpergewichts betragen. Diese Beziehung zwischen Muskel und Knochen ist nur zum Teil systemisch, der Haupteffekt ist sehr lokal begrenzt. Der Knochen kann durch ein Muskeltraining gezielt trainiert werden. Es muss allerdings regelmäßig und dauerhaft durchgeführt werden, sonst geht die positive Anpassung an die erhöhte Belastung schnell wieder verloren. Das Training sollte auf alle großen Muskelgruppen ausgerichtet und progressiv (= langsam steigernd) angelegt sein, dabei jedoch das individuelle Leistungsniveau und den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten berücksichtigen. Und ein regelmäßiges und gezieltes, niedrig dosiertes Krafttraining der Rückenmuskulatur (mit etwa 30% der Maximalkraft) über mindestens 24 Monate führt zu einer Verringerung des Auftretens von Wirbelkörperfrakturen.
Bewegungssicherheit durch Balance und Kraft
Bei Personen, die bereits einmal gestürzt sind oder ein erhöhtes Sturzrisiko haben, zeigen sich verschiedene Trainingsprogramme als wirksam in der Vermeidung von Stürzen. Zu empfehlen ist ein funktionelles Kraft- und Gleichgewichtstraining in einer Gruppe oder allein in einem Fitness- bzw. Gesundheitsstudio oder ein Training der Kraft, Ausdauer und Koordination mit dem Schwerpunkt Gleichgewicht mindestens 1x pro Woche über einen Zeitraum von 12 Monaten ohne größere Unterbrechungen.
Bewegung ist mehr – positive Nebenwirkungen
Patienten mit einer Osteoporose sind mehr als nur ein Skelett; die Bewegungsapotheke hat für die Betroffenen sehr viel mehr zu bieten, zumal die Osteoporose oft nicht die einzige chronische Erkrankung ist. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Nachweise, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Herz-Kreislauf-System stärkt und die Lungen- und Atemfunktion verbessert. Aber auch Effekte auf das metabolische, das endokrinologische und das Immunsystem sind wissenschaftlich nachgewiesen. Bewegung wirkt sich positiv auf den Schlaf und damit die Erholungsfähigkeit des Körpers aus. Insgesamt besteht Einigkeit darüber, dass körperliche Aktivität entscheidend zur Stärkung der physischen Gesundheitsressourcen beitragen kann, weil über eine systematische Aktivierung des Muskelsystems komplexe Anpassungsprozesse des gesamten Organismus ausgelöst werden können.
Weiterhin gibt es Hinweise auf die positive Wirkung von körperlicher Aktivität und Bewegung auf die psychische Gesundheit, wie leichte depressive Verstimmungen und Angstzustände, das Schmerzerleben und bestimmte Persönlichkeitsaspekte. Sehr interessant sind aktuelle Studien zur Verbesserung der kognitiven (= geistigen) Leistungsfähigkeit durch körperliches Training im Vorfeld einer demenziellen Entwicklung.
Basistherapie mit Calcium und Vitamin D
Calcium und Vitamin D sind die Grundlage jeder Osteoporosebehandlung. Calcium ist ein Baustein des Knochens, Vitamin D steigert die Calciumaufnahme und den Einbau von Calcium in den Knochen.
Es wird eine Zufuhr von 1000 bis maximal 1500 mg Calcium mit der Nahrung und mit calciumreichem Mineralwasser, im Bedarfsfalle mit die Nahrung ergänzenden Präparaten empfohlen. Die Vitamin D – Zufuhr sollte täglich 800 bis 2000 IE betragen. Insbesondere bei älteren Patienten ist die Zufuhr durch die Ernährung oder durch regelmäßigen Aufenthalt im Freien (UV-Licht fördert die Vitamin D-Bildung in der Haut) nicht dauerhaft gewährleistet. Eine medikamentöse Ergänzung ist daher notwendig.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Calcium- und Vitamin D – Medikamente bei Osteoporose nur für
- Osteoporose-Patienten, die schon einen Knochenbruch erlitten haben,
- Patienten, die bereits oder voraussichtlich für über 6 Monate mindestens 7,5mg Prednisolonäquivalent (Glucocorticoid) einnehmen müssen.
Spezifische medikamentöse Therapie
Abhängig vom individuellen Knochenbruchrisiko ist der Einsatz von weiteren Medikamenten notwendig. Das Risiko kann der Arzt aus der Vorgeschichte (bereits erlittene Knochenbrüche, Risikofaktoren) und aus dem Knochendichtemesswert bestimmen.
Spezifische Osteoporose-Medikamente können die Stabilität der Knochen über eine Hemmung des Knochenabbaus und eine Stimulation des Knochenaufbaus beeinflussen. Folgende Medikamentengruppen werden eingesetzt:
Bisphosphonate: Alendronat (Alendronsäure), Risedronat, Ibandronat, Zoledronat
Bisphosphonate werden von den Knochenabbauzellen (Osteoklasten) aufgenommen und hemmen deren Aktivität.
Bisphosphonate stehen als Tablette zur täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Anwendung (jeweils eine Tablette9 zur Verfügung. Ibandronat kann auch alle drei Monate als Spritze in die Vene und Zoledronat einmal im Jahr als Infusion verabreicht werden. Die Bisphosphonat – Tabletten müssen zur Erzielung einer guten Aufnahme in den Körper morgens mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück oder anderen Medikamenteneinnahmen nüchtern in aufrechter Körperposition mit etwa 200 ml Leitungswasser (oder mineralarmen Tafelwasser) eingenommen werden.
Östrogene und Östrogen-Rezeptor-Modulatoren:
Östrogene werden heute nur noch zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt. Sie haben dann aber auch eine den Knochen schützende Wirkung. Zur Behandlung der Osteoporose steht ein Östrogen-Rezeptor-Modulator zur Verfügung: das Raloxifen. Es hemmt vor allem die Knochenabbauzellen (Osteoklasten). Raloxifen führt nicht zu einer Steigerung der Brustkrebsrisikos; im Gegenteil kann es das Risiko vermindern. Raloxifen wird einmal täglich als Tablette eingenommen.
Strontium-Ranelat:
Dieses Strontiumsalz hat eine komplexe Wirkung am Knochen, dessen Aufbau stimuliert wird und dessen Abbau gehemmt wird. Strontium-Ranelat wird abends mit Abstand zum Abendessen als Suspension getrunken.
Parathormone:
Parathormon und das Parathormonfragment 1-34 (Teriparatid) sind mit dem körpereigenen Nebenschilddrüsenhormon Parathormon identisch, das den Calcium- und Knochenstoffwechsel reguliert. Parathormon und Teriparatid stimulieren die Knochenaufbauzellen, damit neue Knochensubstanz und neue Knochenbälkchen entstehen. Parathormon und Teriparatid werden einmal täglich unter die Haut gespritzt (ähnlich wie Diabetes-Patienten Insulin spritzen). Diese Injektionen können von den Patienten mit einer Injektionshilfe (Pen) selbst gut durchgeführt werden.
Alfacalcidol:
Alfacalcidol ist eine Vorstufe der Hormonform des Vitamin D und wird nach Einnahme in der Leber vollständig zum Vitamin D-Hormon umgewandelt. Im Gegensatz zum natürlichen (nativen) Vitamin D ist eine Aktivierung in der Niere nicht mehr erforderlich. Deshalb ist die Anwendung von Alfacalcidol besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion sinnvoll. Da Alfacalcidol hormonell aktiv ist, ist seine Wirkung stärker als bei Anwendung des nativen Vitamin D und es ist deshalb kein Vitamin, sondern ein Medikament. Auf eine mögliche Erhöhung des Blutcalciumspiegels muss geachtet werden. Alfacalcidol fördert die Knochenmineralisierung und hemmt den Knochenabbau. Als wichtiger Zusatznutzen ist die Senkung des Sturzrisikos belegt.
Calcitonin:
Calcitonin ist ein calciumregulierendes Hormon, das in der Schilddrüse gebildet wird. Es hemmt sehr schnell die Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten), wobei die Wirkung bei kontinuierlicher Anwendung aber nachlässt. Calcitonin wird unter die Haut oder in den Muskel gespritzt, kann aber auch als Nasenspray angewendet werden. Für die Anwendung als Nasenspray wurde auch eine Senkung des Risikos für Wirbelbrüche nachgewiesen, allerdings mit statistisch geringerer Beweiskraft im Vergleich zu neueren Medikamenten. Wenn andere Osteoporosemedikamente aber nicht zum Einsatz kommen können, dann ist auch heute noch Calcitonin eine Option für die Therapie.
Fluorsalze:
Fluorsalze stimulieren die Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten), können bei zu hoher Dosierung und ohne ausreichende ergänzende Zufuhr von Calcium und Vitamin D aber auch ungünstige Effekte haben (z.B. Störungen der Knochenmineralisation). Nachdem heute hoch wirksame und sichere Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen, werden Fluorsalze kaum noch eingesetzt.
Nebenwirkungen:
Alle Osteoporosemedikamente können auch Nebenwirkungen haben (Allergien, bei Tabletten Magen- und Darmbeschwerden, bei Spritzen Übelkeit und Schwindel, bei Bisphosphonaten nach Spritze oder Infusion grippeähnliche Beschwerden, bei Parathormonen ein Anstieg der Calciumblutkonzentration, bei einigen Präparaten auch erhöhtes Thromboserisiko).Â
Auswahl der Präparate:
- Der Arzt sucht das geeignete Präparat entsprechend der individuellen Risiken und Krankheitsaktivität aus. Dabei muss er auch potentielle Nebenwirkungen berücksichtigen und mit den individuellen Risiken abgleichen.
- In der Regel erfolgt eine ergänzende Zufuhr von Vitamin D, bedarfsgerecht auch Calcium.
- Schließlich muss er das gesetzliche Gebot zur wirtschaftlichen Arzneimittelverordnung (Arzneimittelpreise) und auch gesetzliche Therapiehinweise beachten.
Therapiedauer
Osteoporose ist eine chronische Erkrankung. Die Therapiedauer sollte deshalb mindestens 3 bis 5 Jahre betragen – nach individueller Begutachtung – auch länger Die Basismaßnahmen und die psychosoziale Betreuung sind lebenslang empfehlenswert.
Schmerztherapie
Die Schmerztherapie hat das Ziel, die Beschwerden auf ein erträgliches Maß zu lindern oder ganz zu beseitigen sowie die Beweglichkeit der Betroffenen und ihre Funktionsfähigkeit im Alltag zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Sowohl bei akuten Schmerzen nach einem Knochenbruch als auch bei chronischen Beschwerden sollte sich die Auswahl der Therapieverfahren nach der Art und der Intensität der Schmerzen richten.
Physikalische Schmerztherapie
Insbesondere bei chronischen, wiederkehrenden Schmerzzuständen – wie dies bei der Osteoporose häufig der Fall ist – stehen die Formen der Physikalischen Therapie und das Schmerz reduzierende Verhalten im Vordergrund, weil sie spezifischer als die Schmerzmedikamente auf die besondere Art des Osteoporoseschmerzes einzuwirken vermögen.
Der eigentliche, d.h. für die Osteoporose spezifische Schmerz stammt aus dem eingebrochenen, zusammen gesinterten Knochengewebe, am häufigsten aus dem knöchernen Wabenwerk der Wirbelkörper. Es ist ein osteogener Schmerz (= Knochenschmerz). Jeder Ein- oder Zusammenbruch des Plattenwerkes des Schwammknochens ruft auch aufgrund der Einblutungen im Rahmen der Heilung und der teilweisen Regeneration eine Entzündung hervor, die bereits an sich, vor allem aber aufgrund des gleichzeitig entstehenden Überdrucks einen tiefen, bohrenden, ganz unangenehmen Schmerzzustand hervorruft, der zudem während des Liegens – und damit nachts – sowie allgemein in Ruhe deutlich zunimmt. Gegen diesen Knochenschmerz hilft nur das Aufstehen und lockere Umhergehen für 30 bis 60 Minuten, wobei man dazwischen für je 2 bis 3 Minuten kühle Auflagen direkt auf die Wirbelsäule legen kann.
Ein recht intensiver, manchmal fast brennender Schmerz stammt aus den Sehnen, Bändern und Sehnenansätzen rund um die Wirbelkörper, wenn diese bindegewebigen Strukturen chronisch überlastet wurden und werden. Es ist ein vertebragener bzw. spondylogener Schmerz (= Bänderschmerz). Typisch für diese Schmerzart ist, dass es sich häufig innerhalb des Scheitels des Rundrückens, d.h. innerhalb der mittleren Brustwirbelsäule manifestiert und zudem immer erst im Nachhinein nach besonderen Haltungsbelastungen (Tragen, Bücken) langsam wellenförmig zunimmt, um erst Stunden und Tage später wieder zurückzugehen. Zur Linderung haben sich am wirksamsten fortgesetzte rhythmische Bewegungen des Rumpfes in die Rotationen, zur Seite und von hinten nach vorn bewährt, die durchaus auch im Liegen durchgeführt werden können (= hubfreie und hubarme Mobilisation). Gleichzeitig müssen diese irritierten Sehnenstrukturen durch die Rumpfmuskulatur entlastet werden, was mit den so genannten Stemmübungen nach Brunkow am besten gelingt. Man muss sich diese Übungen in der Krankengymnastik instruieren lassen. Ergänzt werden können diese aktiven Maßnahmen durch kühle Auflagen für je 2 bis 3 Minuten direkt auf die Wirbelsäule und durch eine Eigenmassage der Regionen rund um die Dornfortsätze mittels eines Noppen- oder Tennisballes.
Sowohl der häufige Schmerzzustand wie auch der Verlust des Trainingszustandes bei gleichzeitiger Überlastung aufgrund des Rundrückens führen zu einer Überbeanspruchung und damit zu einem Schmerzzustand der Rückenmuskulatur, der sich vor allem nach längerem Liegen – und damit während der zu Ende gehenden Nacht – als intensiver Muskelkater bemerkbar macht. Es ist ein myogener Schmerz (= Muskelschmerz). Der Patient vermag sich dagegen durch intensive Wärmeanwendung, durch ein Muskeldehnen und durch eine rhythmische Bewegungsaktivität auf dem großen Gymnastikball über sicher 20 Minuten entlasten. Eine eigentliche Muskelmassage hilft weniger im Moment als vielmehr verzögert mit der Zeit, wenn diese selbständig mit einem Noppenball täglich durchgeführt werden.
Der (osteochondrotisch) degenerative Schmerz der Wirbelsäule, der selbst bei Patienten mit einer Osteoporose im Alter vorkommen kann, wird am idealsten durch eine Kombination aus Ganzkörperwärme und einer vielfältigen und abwechslungsreichen Bewegungsaktivität unter Entlastung, d.h. in einem warmen Bewegungsbad oder im Liegen auf einer breitflächigen Wärmepackung (am besten auf einer warmen Moorerdepackung) gelindert.
Selbstverständlich kann jeder Patient an einer Kombination von zwei oder sogar mehreren Schmerzformen leiden. Dabei sollte man zusammen mit dem Arzt, dem Therapeuten oder Trainer innerhalb eines Therapiekonzeptes einen Schwerpunkt setzen. Ziel sollte es sein, Betroffenen sehr schnell wieder aktive Formen der Physiotherapie und der Bewegungstherapie zu ermöglichen.
Medikamentöse Schmerztherapie
Die Wirkungsweise pharmakologischer Verfahren besteht darin, die Aufnahme und Weiterleitung von Schmerzsignalen zu unterbrechen, die zentrale Verarbeitung zu hemmen und die effektive Anteilnahme am Schmerzgeschehen abzuschwächen. Für die medikamentöse Schmerztherapie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Stufenplan vorgeschlagen.
Einfache Schmerzmittel wie die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) haben eine therapeutische Obergrenze. Sie bewirken trotz höherer Dosierung keine stärkere Schmerzlinderung mehr. Nicht-steroidale Antirheumatika sind bei den meist älteren Patienten oft problematisch aufgrund der erhöhten Nebenwirkungen, vor allem mit (löschen) Magenbeschwerden.
Bei einer Dauertherapie mit hoher Dosierung sollten Arzt und Patient gemeinsam abwägen, ob die Einstellung auf ein schwaches Opioid sinnvoll ist. Opioide haben den Vorteil, dass sie auch bei einer Dauertherapie nicht die Organe schädigen. Typische Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindel, besonders zu Beginn der Therapie, sollten gemeinsam mit dem Arzt hinsichtlich eines höheren Sturzrisikos bewertet werden.
Neurochirurgische Schmerztherapie
Inzwischen gibt es einige erprobte mikrochirurgische Verfahren. Bei der Osteoporose werden verschiedene minimalinvasive Methoden zur Stabilisierung einzelner Wirbelkörper eingesetzt. Bei der Vertebroplastie spritzt man unter Lokalanästhesie einen speziellen Knochenzement unter Röntgenkontrolle in den Wirbelkörper ein, der in kurzer Zeit aushärtet. Anders als die Vertebroplastie bietet die Kyphoplastie bei rechtzeitiger Diagnosestellung den großen Vorteil, einen Wirbelkörper nicht nur zu stabilisieren, sondern ihn im Optimalfall wieder aufzurichten. Für diese vorbereitende Aufrichtung gibt es je nach Indikationsstellung unterschiedliche Techniken
Psychologische Schmerztherapie
Chronische Schmerzen sind für die Betroffenen sehr belastend. Psychologische Variablen sind bei vielen chronischen Schmerzen von zentraler Bedeutung. Entsprechend wichtig ist der Einsatz psychologischer und psychotherapeutischer Verfahren: Gesprächstherapien, Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Methoden können hilfreich sein, um einen besseren Umgang mit den Schmerzen zu erlernen. Die Begleitung durch einen psychologisch geschulten Schmerztherapeuten kann hier sinnvoll sein.
Rehabilitation
Kranksein ist mehr als die Krankheit im engeren Sinne, mehr als nur die Ursache der individuellen Beschwerden und Schmerzen, der Mühen in der Selbstversorgung und im täglichen Leben, der Einschränkungen bei Aktivitäten im Familien- und Freundeskreis, der Beeinträchtigung der Lebensqualität. Das Kranksein selbst sind die individuellen und subjektiven Begleiterscheinungen der körperlichen Krankheit Osteoporose. Krankheit und Kranksein stehen in enger Wechselwirkung und sind gleichermaßen entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf und die Chronifizierung. In einer ganzheitlichen und menschlichen Therapie müssen beide Aspekte Berücksichtigung finden.
Unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde im Jahre 2001 ein Modell zur Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF = International Classification of
Functioning) verabschiedet. Allgemeines Ziel dieser Klassifikation ist es, in einheitlicher und standardisierter Form eine Sprache und einen Rahmen zur Beschreibung von Gesundheitsaspekten und mit Gesundheit zusammenhängenden Zuständen zur Verfügung zu stellen. Das klingt zunächst ziemlich wissenschaftlich und theoretisch, ist aber ganz einfach: Das ICF-Modell betrachtet nicht mehr nur Krankheiten und Krankheitsfolgen. Im Blickpunkt der Bemühungen steht die Gesundheit bzw. um es besser zu verstehen, die „Restgesundheit trotz Krankheit und Kranksein“. Das ICF-Modell spricht nicht von Krankheit, sondern von Funktionsfähigkeit bzw. funktionaler Gesundheit.
Eine Person ist funktional gesund, wenn vor dem Hintergrund ihrer Lebensverhältnisse
- ihre körperlichen Funktionen (einschließlich des mentalen Bereichs) und Körperstrukturen denen eines gesunden Menschen entsprechen ( = Konzept der Körperfunktionen und Körperstrukturen),
- sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem erwartet wird ( = Konzept der Aktivitäten)
- sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder Körperstrukturen oder der Aktivitäten erwartet wird ( = Konzept der Teilhabe).
Für das Krankheitsbild der Osteoporose ist inzwischen ein so genanntes ICF – Core Set definiert und publiziert, eine Zusammenstellung der häufigsten Patientenprobleme und ihrer Einflussfaktoren. Das umfassende ICF Core Set Osteoporose beinhaltet insgesamt 69 Kategorien und bildet die Basis für die Erhebung eines patientenbezogenen Funktionsstatus durch ein multiprofessionelles Team. Sie stellen die Basis für einen patientenorientierten Rehabilitationsprozess dar. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, welche Aspekte der Funktionsfähigkeit bei einer ganzheitlichen Rehabilitation der Osteoporose zu berücksichtigen sind: Diese Auflistung bedeutet nicht, dass alle Punkte von Bedeutung sein müssen; sie sollten aber als mögliche Aspekte dem Reha-Team bewusst sein.
ICF Core Set Osteoporose – Aspekte der Funktionsfähigkeit (Ewert 2009)
| Köperfunktionen | Funktionen des Schlafes |
Körperstrukturen |
Struktur des Atmungssystems |
Aktivitäten und Partizipation |
Eine elementare Körperposition wechseln |
Umweltfaktoren |
Produkte und Substanzen für den persönlichen Verbrauch |
Für die psychosozialen Nachsorge ist es sehr empfehlenswert, sich einer Osteoporose - Patientenorganisation anzuschließen und mit dem Funktionstraining oder dem Rehabilitationssport zu beginnen. Diese ergänzenden Leistungen zur Rehabilitation werden durch die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining geregelt.
Funktionstraining
Funktionstraining umfasst bewegungstherapeutische Übungen, die in der Gruppe unter fachkundiger Anleitung m Rahmen regelmäßig abgehaltener Übungsveranstaltungen durchgeführt wird. Ziel des Funktionstrainings ist der Erhalt und die Verbesserung von Funktionen sowie das Hinauszögern von Funktionsverlusten einzelner Organsysteme und Körperteile, die Schmerzlinderung, die Bewegungsverbesserung und die Hilfe zur Selbsthilfe.
Rehabilitationssport
Rehabilitationssport wirkt mit den Mitteln des Sports und sportlich ausgerichteter Spiele ganzheitlich auf die behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen, die über die notwendige Mobilität sowie physische und psychische Belastbarkeit für Übungen in der Gruppe verfügen, ein. Ziel ist es, ihre Ausdauer und Kraft zu stärken, Koordination und Flexibilität zu verbessern, das Selbstbewusstsein zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Hilfe zur Selbsthilfe hat das Ziel, die eigene Verantwortlichkeit für seine Gesundheit zu stärken und ihn zum langfristigen, selbständigen und eigenverantwortlichen Bewegungstraining zu motivieren.
Rehabilitationssport umfasst Übungen, die in der Gruppe im Rahmen regelmäßig abgehaltener Übungsveranstaltungen durchgeführt werden. Auch Maßnahmen, die einem krankheits- und behinderungsgerechten Verhalten und der Bewältigung psychosozialer Krankheitsfolgen dienen (z.B. Entspannungsübungen), sowie die Einübung im Gebrauch technischer Hilfen können Bestandteil sein.
Funktionstraining und Rehabilitationssport werden ärztlich verordnet und die Kosten von den Krankenkassen übernommen.
